Aktuelle Ausgabe
Inhaltsverzeichnis
Jetzt neu!
Inhaltsverzeichnis
Editorial
Titelstory (Anriss)
Vorschau
Stellenmarkt
in Kooperation mit
Redaktion
Investorenportraits
Dachfonds-Portraits
Business Angel-Netzwerke
VC-Kolumne
Interviews
Über uns
Ziele & Zielgruppen
Themen & Inhalte
Historie & Hintergrund
Team & Firmenprofil
Jobs & Praktikanten
Service
Abonnement
Einzelhefte
Sonderausgaben
Bücher & Co.
Events
Links
Mediadaten
Impressum
GBI
13 Jahre GoingPublic -,
10 Jahre VC Magazin
Die Volltextsuche!
Interviews Artikelübersicht   
„Wer jetzt noch auf reine Werbung setzt, muss neue Geschäftsmodelle entwickeln“ - Interview mit Dr. Michael Brandkamp und Holger Heinen, High-Tech Gründerfonds, sowie Oliver Fietz, T-Venture Holding

Sie stammen aus grundverschiedenen Zeiten: T-Venture wurde 1997 gegründet, erlebte den Aufschwung der Branche ebenso hautnah wie das Platzen der Internetblase. Der High-Tech Gründerfonds trat erst 2005 auf den Plan, als sich der Private Equity-Markt längst berappelt hatte, das Segment der frühen Phase aber immer noch am Boden lag. Im Interview sprechen Experten der beiden Häuser über Medien und digitale Geschäftsmodelle – und sind nicht immer einer Meinung.

VC-Magazin: Neben der allgemeinen Finanzkrise haben auch Rezessionsängste die Aktien von Medien- und Internetunternehmen weltweit einbrechen lassen. Wie schlagen sich Ihre Portfoliounternehmen?

Fietz: Das gemeinsame Portfoliounternehmen Zimory profitiert sogar von der Krise. Deren Marktplatz hilft, Rechenzentrumsressourcen einzusparen oder besser zu nutzen. Das ist in Zeiten, in denen Unternehmen ihre Kostenstrukturen überprüfen, ein wichtiges Thema. Wir haben aber auch Unternehmen im Portfolio, deren Auftragslage rückläufig ist. Den einen oder anderen Businessplan müssen wir noch einmal genauer überprüfen.

Brandkamp: Wir sehen aktuell noch geringe Auswirkungen auf unser Portfolio. Wir raten unseren Unternehmen aber schon, ihr Geld zusammenzuhalten und schonend mit ihrer Liquidität umzugehen.

Heinen: Um die Burn-Rate zu senken, sollten junge Unternehmen verstärkt Projektgeschäfte eingehen, anstatt nur die Produktentwicklung voranzutreiben.

 

VC Magazin: Stoßen Sie mit dieser Empfehlung auf offene Ohren?

Heinen: Manche Gründer sind vernünftig und hören zu, andere meinen, sie wüssten es besser. Spätestens wenn die nächste Finanzierungsrunde ansteht, werden die Gründer, die jetzt noch nicht zuhören wollen, auch zur Vernunft kommen.

 

VC Magazin: Sind die Bewertungsvorstellungen von Gründern im Mediensektor bereits zurückgegangen?

Heinen: Die Vorstellungen sind immer zu hoch. Die realisierbaren Bewertungen werden weiter sinken, da der Exit später kommt, wenn der Multiple gehalten werden soll.

Fietz: Das vorhandene Kapital muss im aktuellen Umfeld voraussichtlich wesentlich länger reichen. Das wirkt sich natürlich auch auf die Wachstumsplanungen aus, die finanziert werden müssen.

 

VC Magazin: Werbefinanzierte Geschäftsmodelle dürften unter der bevorstehenden Rezession besonders leiden. Was raten Sie Start-ups, die primär auf Anzeigenerlöse als Umsatzbringer bauen?

Fietz: Wir haben in solche Firmen investiert und werden das selektiv weiterhin machen. Grundsätzlich gilt für die Werbevermarktung, dass man Relevanz schaffen muss – sowohl auf der Seite der Nutzer als auch der Werbekunden.

Heinen: Wir stehen diesem Thema generell kritisch gegenüber, weil man viel investieren muss, um die nötige Reichweite zu schaffen. Wir versuchen deswegen immer, eine Mischung aus Anzeigen und direktem Verkauf zu entwickeln. Wer jetzt noch auf reine Werbung setzt, muss neue Geschäftsmodelle entwickeln.

 

VC Magazin: Seriengründer Oliver Samwer prophezeit mobilen Anwendungen eine rosige Zukunft. Communitys und Dating seien als erste Angebote erfolgreich. Deckt sich das mit Ihren Erwartungen?

Heinen: Im Bereich Dating sind die Menschen tatsächlich am ehesten bereit, für entsprechende Angebote zu zahlen. Gleichzeitig ist das etwas sehr Intimes. Man will die Anwendung auf dem eigenen tragbaren Gerät haben und nicht auf dem heimischen PC, den gegebenenfalls auch die Familie nutzt. Zentral ist allerdings die Frage der Usability. Solange die Installation von Software auf Handsets eine große Hürde ist, steigt die breite Masse nicht ein. Dazu kommt in Deutschland das Problem mit den Tarifen. Bei Communitys ist die Frage letztlich ungeklärt, wie man Geld verdient.

Fietz: Derzeit sind eher mobile Zusatzfunktionalitäten als eigenständige Applikationen erfolgreich. Facebook auf dem iPhone ist sehr gut gelöst, aber eben nur auf dem iPhone. Als Investor fragt man sich dann, ob die Portierung auf andere Geräte gelingen wird und wie gut sich die Software auf einem anderen Telefon nutzen lässt.

 

 

VC Magazin: 36% der Deutschen nutzen Online-Spiele. Wie sehen Erfolg versprechende Geschäftsmodelle in diesem Bereich aus?

Heinen: Gerade im Web ist man ja gewohnt, dass Angebote kostenfrei sind. Wenn der Basisdienst gratis ist, hängt die Einstiegshürde tief. Es bietet sich Item-Selling an: Wollen die Leute besondere Items, kostet das Geld. Monatliche Abogebühren sind dagegen problematisch, weil man dann vor der Nutzung zahlt. Vermutlich wird sich aber ein Mix aus beidem durchsetzen.

Fietz: Was man verstärkt sieht, ist zudem In-Game-Advertising. Im Rahmen des Wahlkampfs hat das zuletzt Barack Obama in neun Videospielen von Electronic Arts gemacht. Online-Spiele bieten auch den Vorteil, dass Werbeplätze immer wieder neu vermarktet werden können.

 

VC Magazin: Der Telekom-Konzern gehört zu den größten Online-Werbern in Deutschland. Profitieren von Ihnen finanzierte Start-ups von diesem Etat?

Fietz: Es ist branchenüblich, dass die Etats für Kampagnen zu den großen Werbevermarktern gegeben werden. Der Longtail, also gerade die kleineren Start-ups, die Werbeplätze anbieten, fällt oftmals hinten runter. Diesem Thema begegnen wir u. a. mit unserer Beteiligung mediapeers, mit der wir den Longtail adressieren wollen. Es fehlt aber der gesamten Branche noch an Konzepten – die Werbeausgaben landen immer noch zum großen Teil bei den großen General Interest-Portalen.

 

VC Magazin: Wie viele Investments wollen Sie 2009 tätigen, und auf welchem Weg sollte Sie ein Gründer am besten kontaktieren?

Brandkamp: Wenn der Dealflow die Qualität hergibt und wir weiterhin optimistisch in die Zukunft schauen, dann wollen wir 40 bis 50 Hightech-Unternehmen auf den Weg bringen. Man kann uns zwar auch direkt ansprechen, wir empfehlen aber den Weg über einen Coach aus unserem Netzwerk oder eine sonstige Referenz.

Fietz: Man kann uns direkt ansprechen, beispielsweise über die Website. Wir planen keine bestimmte Zahl an Investments, sondern orientieren uns an der Relevanz für unsere einzelnen Geschäftseinheiten. Angesichts der aktuellen Marktgegebenheiten werden wir nicht zwingend weniger investieren, sondern nutzen vielleicht unsere Chancen für einen günstigen Einstieg.

 

VC Magazin: Zum Schluss: Welche neuartigen Medienangebote nutzen Sie persönlich am liebsten?

Heinen: Ich nutze das ein oder andere Handygame, schaue Videos auf Onlineportalen und sehe fern via IPTV. Communitys nutze ich kaum.

Brandkamp: Ich finde die Kommunikation über unsere Weblin-Avatare spannend. Viel Spaß macht auch ein Fußballmanagerspiel wie Goal United, auch wenn meine Leistung noch verbesserungswürdig ist.

Fietz: Grundsätzlich kann ich mich für das IPTV-Angebot T-Home Entertain sowie für myON-ID begeistern. Letzteres ist ein Online-Reputationsmanagement, bei dem man die Suchergebnisse für die eigene Person aktiv steuern kann.

 

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!     

 

andreas.uhde (at) vc-magazin.de

 

 

Zu den Gesprächspartnern

Dr. Michael Brandkamp ist Geschäftsführer, Holger Heinen Senior Investmentmanager bei der High-Tech Gründerfonds Management GmbH in Bonn. Oliver Fietz ist Fund Manager bei der ebenfalls in Bonn ansässigen T-Venture Holding GmbH, der Corporate Venture Capital-Gesellschaft der Deutsche Telekom AG.

 

 


Alle bisher in dieser Rubrik erschienenen Beiträge:
"Wir sehen einen Silberstreif am Horizont" (Ausgabe 9/10) - Panel-Diskussion über die Situation des deutschen Wagniskapital-Marktes
"Beim Exit gibt es Potenzial für Konflikte" (Ausgabe 7-8/10) - Interview mit Dr. Paul-Josef Patt, eCapital Entrepreneurial Partners, und Dirk Nachtigal, BASF Venture Capital
"Der ganze Markt ist reifer geworden" (Ausgabe 6/10) - Interview mit Rolf C. Dienst, Wellington Partners, und Klaus-Michael Höltershinken, BayernLB Private Equity
"Vom ersten Tag an ein professioneller Auftritt" (Ausgabe 5/10) - Interview mit Thomas Villinger, Zukunftsfonds Heilbronn GmbH, und Loren Heilig, IBSolution GmbH
„Es ist wichtig, eine Business Angels-Kultur in Deutschland zu schaffen“ - Exklusives Pressegespräch zum Auftakt des Business Angels Jahres 2010
"Wettbewerbsintensität und Bewertungsniveau sind nach wie vor hoch" (Ausgabe 3/10) - Interview mit Dr. Martina Ecker, Jefferies, und Marc Thiery, Deutsche Private Equity
"Mittelständler gehen mit Außenständen bei Lieferanten oft sorglos um" (Ausgabe 2/10) - Interview mit Justus Hecking-Veltmann, Klaus Engberding und Arno Schneider, EOS Gruppe
„Mega-Buyout-Fonds sind nach wie vor sinnvoll“ (Ausgabe 01/10) - Interview mit Dr. Stefan Hepp, Gründer und CEO der SCM Strategic Capital Management AG
„Wir werden Gespräche mit Private Equity-Häusern führen“ - Executive Talk mit Professor Klaus Hekking, Vorstandsvorsitzender der SRH Holding (Ausgabe 01/10)
"Im E-Commerce herrscht großes Gedränge" - Interview mit Mattias Götz, LBBW Venture, und Jochen Klüppel, Grazia Equity (Ausgabe 12/09)
„Die Exit-Pipelines der Private Equity-Unternehmen sind voll“ - Interview mit Daniel Döpfner, Deloitte, und Andreas John, DZ Bank (Ausgabe 11/09)
"Ich sehe Private Equity als einen positiven Wirtschaftssektor" - Executive Talk mit Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG (Ausgabe 10/09)
„Die Kosten stehen gerade im Bereich Venture Capital in einem sinnvollen Verhältnis zur möglichen Rendite“ - Interview mit Dr. Hendrik Brandis, Earlybird Venture Capital, und Michael Motschmann, MIG Fonds (Ausgabe 9/09)
"China und Indien sind weiterhin Wachstumsmärkte" - Interview mit Wolfgang Pflüger, Berenberg Bank, und Dr. Peter Laib, Adveq (Ausgabe 7-8/09)
"Wir verspüren keinen Exit-Druck" - Interview mit Dr. Peter Terhart, S-Refit, und Christian Müller, medTech Capital Fonds (Ausgabe 6/09)
"Wir saßen auf einer Goldmine" - Interview mit Dr. Hellmut Kirchner und Falk Strascheg (Ausgabe 5/09)
"In der Theorie kann niemand lernen, wie ein Job zu machen ist" - Interview mit Gerd Kerkhoff, Kerkhoff Consulting
"2008 hatte ich nicht mehr daran geglaubt" - Interview mit Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen
„Unternehmen brauchen Alternativen zum Bankkredit“ - Interview mit Thomas Vinnen und Clemens Wagner von der WCF Finetrading AG sowie Peter Martetschläger, Aufsichtsrat der Schnell Motoren AG
"Die Lage wird sich nicht so schnell entspannen, wie viele Leute hoffen" - Interview mit Lars Hirche, Managing Director bei H.I.G. European Capital Partners
„Was wir derzeit auf dem Kapitalmarkt sehen, ist von historischer Dimension“ - Interview mit Michael Schneider, Vorstandsvorsitzender der LfA Förderbank Bayern
Corporate Venture Capital als Alternative zur Eigenentwicklung - Interview mit Helmar Hipp, Geschäftsführer der VM Digital GmbH, und Dr. Josef Wünsch, Geschäftsführer der BASF Venture Capital GmbH
„Wir müssen kein Fundraising betreiben und können uns voll auf das Portfolio konzentrieren“ - Interview mit Karsten Haesen und Dr. Stephan Beyer von der Ventegis Capital AG sowie Felix Goedhart von der Capital Stage AG
"Die Kanalinseln bieten einen recht flexiblen rechtlichen und steuerlichen Rahmen" - Interview mit Sonya Pauls und Christian Schatz, SJ Berwin LLP
"Klassische Zuschussförderung zementiert Wettbewerbsnachteile" - Interview mit Wolfgang Lubert, enjoyventure Management, und Ralf Meyer, hannoverimpuls
„Powerpoint verhindert den Energiefluss zwischen Redner und Publikum“ - Interview mit Matthias Pöhm, Rhetoriktrainer (Ausgabe 5/08)
"Diagnostika werden sich stark entwickeln" - Interview mit Dr. Joachim Rothe, Life Science Partners, und Dr. Regina Hodits, Atlas Venture (Ausgabe 4/2008)
„Zuletzt war eine Inflation von Special Situations-Investoren zu beobachten“ - Interview mit Arno Fuchs, FCF Fox Corporate Finance GmbH, und Dr. Ernst Ludes, EQT (Ausgabe 3/2008)
"Jeder zehnte Deutsche ist bereits in einer Internet-Community organisiert" - Interview mit Jörg Überla, Wellington Partners, und Dr. Dietrich Ulmer, smac partners (Ausgabe 2/2008)
„Not being in India is no longer an option“ - Interview with Gulpreet Kohli, ChrysCapital Investment Advisors, and Binoy R V Meghraj, Meghraj SP Corporate Finance (Ausgabe 1/2008)
Vis-à-vis: "Wir erleben eine zu starke staatliche Einflussnahme in der Frühphase" - Interview mit Dr. Gert Köhler, Creathor Venture, sowie Bertram Köhler und Mirko Wäckerle, DEWB (Ausgabe 12/2007)
Vis-à-vis: „In 30 bis 40 Jahren wird jedes Produkt ein Cleantech-Produkt sein“ - Interview mit Robert Schrimpff, TVM Capital, und Andreas von Richter, GE Global Research (Ausgabe 11/2007)
„Wir sind von einer ähnlichen Zyklizität betroffen wie VC-Fonds“ - Interview mit Dr. Christoph Braun, Geschäftsführer Burda Digital Ventures, und Dr. Ralf Schnell, Geschäftsführer Siemens Venture Capital (Ausgabe 10/2007)
„Finanzinvestoren treiben die Preise in Osteuropa nicht“ - Interview mit Dr. Hans Bethge, geschäftsführender Partner der Angermann M&A International GmbH (Ausgabe 8-9/2007)
„Ein Private Equity-Unternehmen könnte die Wachstumsstrategie von Loewe begleiten“ - Interview mit Dr. Rainer Hecker, Vorstandsvorsitzender der Loewe AG (Ausgabe 7/2007)
„Eine J-Kurve wird es bei uns nicht geben“ - Interview mit Oliver Porr, LHI Leasing GmbH (Ausgabe 6/2007)
„Die Privatisierung chinesischer Unternehmen bietet enormes Potenzial für Buyouts“ - Interview mit Horst Güdel und Norman Lemke, RWB (Ausgabe 5/2007)
„Der Preis war nicht der allein entscheidende Faktor“ - Interview mit Clemens von Berger, CEO der Avida Group (Ausgabe 4/2007)
„Keiner mag Auktionen“ - Interview mit Horst Bennin, Auda, und Marco Yanar, CAM Private Equity (Ausgabe 3/2007)
„Wir machen keine feindlichen Übernahmen“ - Interview mit Dr. Christian Näther, Apax Partners (Ausgabe 2/2007)
"Wir planen, 2007 acht Unternehmen an die Börse bringen" - Interview mit Dr. Martin Grossmann, 3D Capital AG (Ausgabe 2/2007)
Vis-à-vis - Experten zum Private Equity-Gesetz (Ausgabe 1/2007) - Interviews mit Daniela Weber-Rey und Dr. Michael Inhester

 

Artikeln, Empfehlungen und Tabellen liegen Quellen zugrunde, welche die Redaktion für verlässlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann allerdings nicht übernommen werden. Bei unaufgefordert eingesandten Beiträgen behält sich die Redaktion Kürzungen oder Nichtveröffentlichung vor.
© GoingPublic Media AG 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010

ANZEIGE